Strassenzugelassene Karts

In meiner Kindheit übten Gokarts eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Am Anfang aller meiner Leidenschaft für rolllende Räder steht ein Kettkar, in dem ich mir den Fahrtwind zu erstrampeln hatte. Regelmässig outdoor gefahren bin ich später auch eine ganze Zeit, aber irgendwann überwog bei mir die Vorliebe zum Cruising über den Rennfaktor. Millterweile hat die deutsche Strassenverkehrsordnung die EU-Bestimmungen für Vierräder bis zu 350kg übernommen, womit sich jetzt hierzulande auch mit einem Kart ganz zivil cruisen lässt, Führerschein Klasse 3 vorrausgesetzt. Auf die Vermietung strassenzugelassener Karts spezialisierte Firmen gibt es auch, einem unverbindlichen Testlauf steht also nichts im Weg.

Zu vermelden gibt es in erster Linie eins: An warmen Sommertagen ist das Flirtpotential eines Streetkarts in bundesdeutschen Großstädten ist ausgeprochen hoch. Allein deswegen lohnt sich der Spass schon. Ungefährlich ist es (von der Flirterei ganz abgesehen) aber nicht unbedingt, denn im normalen Straßenverkehr sieht man von dem flachen Gefährt aus recht wenig und wird trotz der roten Fahne hinten am Kart von anderen sehr leicht übersehen. Besonders in diichterem Verkehr kann man dabie schnell ins Schwitzen kommen. Findet man sich damit zurecht und an der Sache an sich seinen Spass, kann man sich für etwa 3500 Euro jederzeit einen 8-PS/100cc Strasssenkart mit einem Spitzentempo von um die 85 kmH zulegen.

Spass beiseite, Karts sind zum racen da und nicht zum cruisen. Der Grund für die stetig wachsende Beliebtheit des Karting als Freizeitpsort ist, dass Karts echtes Rennsportfeeling vermitteln können. Karts sind schnell, haben sehr direkte Lenkung und geben den Charakter der Strecke direkt an den Piloten weiter. Bei den ersten Runden auf der Kartbahn müssen sich Einsteiger an die geballte Power direkt hinter dem Rücken erst gewöhnen. Karts kleben förmlich am Gas und das punktgenaue Bremsen will geübt sein. Was das Feeling angeht, sind Karts sicher die Formel 1 des kleinen Mannes. Was den Geldbeutel betrifft sieht das schon anders aus. Um bei Profi-Rennen mitzumischen braucht man ein Budget von mindestens 40.000 Euro. Der günstigste Einstiieg in den allgemeinen Trend zum Gokart, zumindest für die Jüngsten unter uns, sind nach wie vor die Dino Cars, und daran wird sich in absehbarer Zeit auch nicht viel ändern.

Eine Liga für sich und nebenbei sogar strassenzugelassen ist der von Dieter Fouss entwickelte "Fuoss 01". Er sieht aus wie die Miniausgabe eines Formel V und lässt sich auch so bewegen. Optisch hat er nur noch wenig mit einem Gokart zu tun, fahrtechnisch dafür aber schon. Die 400cc und 43PS seines Suzukitriebwerks bringen seine 300kg auf über150 kmH, und ein sequenzielles Fünfganggetriebe sowie 195er-Breitreifen sorgen für ein stablies Kurvenverhalten. Richtig ausreizen lässt sich er sich trotz Strassenzulassung sicher nur auf Rennstrecken. Cruise Feeling dürfte auch eher selten aufkommen, ausser man wohnt in der Nähe einer Salzwüste. Mein Kollege Joe Benitez aus San Felipe, Baja California, geniesst dieses Privileg tatsächlich und nutzt es gebührlich, doch dazu mehr an anderer Stelle.

 
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