Beim Stichwort Skandinavien denken die meisten Radfans nicht zu Unrecht an lange Radwanderungen mit viel Gepäck. Doch Skandinavien ist auch für MTB Freunde durchaus eine Reise wert. Zwar reicht die Infrastruktur nicht an die der Alpen oder Kretas heran, doch dies hat durchaus auch gute Seiten, zumal die geringe Bevölkerungsdichte über viel Raum für Experimente und Entdeckungen bietet.
Auf dem skandinavischen Radsportkalender stehen international renomierte Strassenmarathons wie Trondheim-Oslo ebenso wie weniger bekannte Veranstaltungen wie die Finnmarkstur im mittelschwedischen Ludvika (Grangärde-Finnmark, August, 112 km). Etwas weiter nördlich, ebenfalls in der Provinz Dalarna, bieten Wintersportorte wie Sälen oder Säfsen Abfahrtsmöglichkeiten und Skilifte sowie 300 km MTB Trails in allen Schwierigkeitsgraden. Nicht uninteressant, wenn man bedenkt, dass diese Standorte von kaum weiter von Norddeutschland entfernt sind als die bekannten MTB Alpenmarathons. MTB Fachliteratur für Individualtouren in Skandinavien ist rar gesät (was kein schlechtes Zeichen sein muss). Als nützlicher Ersatz dienen wie so oft Wanderführer, denn in vergleichsweise flacheren Gebieten wie Südschweden machen viele Wanderwege auch gute Trail Strecken. Gute Anhaltspunkte auf Deutsch für Individualtouren in den Seenlandschaften zwischen Östersund und Malmö bieten etwa die Wanderführer des Rother Verlags.
Norwegen bietet mit seiner abwechslungsreichen Natur großartige Möglichkeiten für Fahrten durch Waldgebiete, Hochgebirge, durch Täler und entlang der Fjords. Offizielle Strecken sind für Radwanderungen konzipiert und sind technisch wenig anspruchsvoll, was aber durch die landschafliche Schönheit kompensiert wird. In Norwegen wurde viel für den Radport getan. Sowohl die Bergenbahn als auch der Oslo-Bergen Express erleichtern mit einem "Fahrrad-Zug" Service das Mitnehmen von Rädern auf der Strecke Strecke Oslo-Haugastøl-Finse-Voss. Mit ihnen erreicht man auch eine schönsten unter den offiziellen Strecken, den Rallarweg, einstmals Transportweg während des Baus der norwegischen Hochgebirgsbahn im frühen 20. Jahrhundert. Von Haugastøl (900 m) aus geht es auf geringer Steigungen über Storurdi und Finse (1222 m) nach Fagervatn (1343 m). Selbst im Hochsommer kann es hier kleinere Schneestürme geben, warme Kleidung ist daher Pflicht. Danach beginnt die Abfahrt, mit dem steilen und ungesichteren Teilstück durch die Klevagjelet Schlucht zwischen Hallingskeid und Myrdal als abenteuerliches Highlight. Von der Route her optional aber auf keinen Fall auszulassen ist die Abfahrt von Myrdal über steiie Serpentinen ins nahegelegene Flåmtal am Aurlandsfjord. Der Aurlandsfjord ist ein Seitenarm des Sognefjordes, dem tiefsten (1300 m) und längsten (200 km) Meeresarm der norwegischen Küste. Der Ort Flåm hat nur 300 Einwohner, aber gute Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants. Wen es von hier aus zu anderen Revieren weiterzieht, dem bieten die ganzjährig befahrbare E-16 von Oslo nach Bergen sowie diverse Fjord-Fährdienste hierzu reichlich Gelegenheit. Für den Rückweg nach Myrdal empfiehlt sich eine Tour mit der traditionellen Flåmbahn (bei der das Rad separat aufgegeben wird). Von Myrdal geht es mit dem Zug durch den Gravhalstunnel nach Upsete und von dort in gemütlichem Cruising abwärts nach Mjølfjell und Voss.
In Finnland, in der MTB Szene durch die Marke Nokian ein Begriff, sind die Wintersportorte Levi und Ylläs in Lappland auf sommerlichen MTB Betrieb gut eingestellt. Neben einfachen Routen durch einsame Fjälls (Hochebenen oberhalb der Baumgrenze) bieten dort der "Trek Bike Park" in Ylläs und der "Groove Kona Bike Park" in Levi bieten neben Möglichkeiten und mehreren Four-Cross Strecken den schnellsten Downhill Track Finnlands. Austrüstung kann hier vor Ort gemietet werden und die Skilifte und Gondeldienste zu den Fjälls funktionieren auch im Sommer. Wer es sich leisten kann, hat hier seinen Spass. Die Hotels vor Ort beiten allen erdenklichen Komfort, von Whirlpool, finnischer Sauna und Eislochpool bis Dampfbad. Kaum ein Gast, der hier nicht nach einem Aufenthalt hier nicht spontan eine eigene finnische Holz Sauna kaufen würde. Gemütlich wird es im Süden des Finnlands, wo die 250 km lange Königsstraße, die auf einen Postweg zwischen Turku und Helsinki aus dem 13. Jahrhundert zurückgeht, zum Genusscruisen durch Seenlandschaften mit idyllischen Dörfern einlädt.