Wer Tunesien per Fahrrad erkundet ist aller Wahrscheinlichkeit nach auf der Suche nach einer Begegnung mit Wüste und Abenteuer. Man will Sand, Dünenfelder, karge Gebirge, Staub, Oasen und Schotterpisten. Davon hat Tunesien reichlich, und so erfüllen sich diese Wünsche schnell und reichlich. Allerdings ist Tunesien schon seit langem kein weisser Fleck auf den Karten der Reiseveranstalter mehr. Schnuppertouren für Wüstenhungrige gibt es in allen Ausführungen und Preisklasssen, ebenso wie Individualabenteurer a la Mad Max.
Die beste - und einzig empfehlenswerte - Reisezeit ist der Winter. Nachts kühlt es bis um die 5 Grad ab, dafür herrschen tagsüber beste Radeltemperaturen von um die 20 Grad. Eine beliebte Route mit viel Sand, kargen Gebirgen, Oasen, Staub und Schotterpisten führt von Gabes am Mittelmeer durch Südtunesien über die Oasen Ksar Ghilaine und Bir Soltane und die Salzwüste des Chott el Jerid bis nach Gafsa. Etwa 10 Tage sollte man hierfür einplanen. Von Gabes geht es zunächst auf Asphaltsstrassen über Medenine und Tataouine und in das Bergdorf Chenini. Hier gilt es die Wasservorräte zu ergänzen, denn auf den unbeschilderten Schotterstrassen bis zur Oase Ksar Ghilaine, nahe dem Dünenmeer des Grand Erg Oriental gibt es keine Wasserstelle. Wüste und Oasen, diese Begriffe stehen vor allem für Abgeschiedenheit und Stille. Ksar Ghiliane, ein beliebter Treffpunkt für Off Road Motorsportler aller Art, liegt zwar abgeschieden, aber die Stille angeht datumsabhängig und nicht immer garantierbar.
Hinter Ksar Ghilaine geht es an einer Pipeline entlang auf teilweise sandigem Untergrund in Richtung Norden zur Bir Soltane Oase, die über einen kleinen Militärposten verfügt und ruhiger ist als Ksar Ghilaine. Dem tunesischen Volksmund nach gibt es hier das beste Wasser des Landes. Hinter Bir Soltane fährt man zuächst über etwa 15 km Asphalt, und danach einen weiteren harten Tag mit viel Wind, Staub und Sand entlang der Pipeline bis zur C104 von Matmata nach Douz. Douz ist ein weiteres Standartziel für kurze Touren von der Küste zum Rand der Wüste und verfügt über den entsprechenden Rummel, hat dabei seinen traditionellen Charakter keineswegs verloren. Von hier aus führt eine Reihe kleinerer Strassen durch fruchtbare Dattelplantagen nach Kebili, nahe der Salzwüste des Chott el Jerid.
Alternativ zu der vielbefahrenen P16 in Richtung Tozeuer durch den Chott gibt es eine ruhigere Strecke in Richtung Gasfa, auf der "Baja California Feeling" aufkommt. Der Chott El Jerid ist die größte Salzwüste Tunesiens. Die glatte Mondlandschaft, je nach Feuchtigkeit weiss oder bräunlich, reicht bis über den Horizont hinaus und oft scheint es, als trete man auf der Stelle. Wenn die Bedingungen stimmen, kann man hier eine echte Fata Morgana zu sehen bekommen. Die Reifen können hier bis 5 cm in den Boden einsinken und gelegentlich blockieren. Gleich nach der Playa geht es durch interessantes bergiges Terrain über die 300 Meter hohe Wasserscheide und anschliessend durch Täler mit Olivenhainen und Dörfern bis Gafsa. Von Gafsa (wie auch von Tozeuer) kommt man mit dem Nachtzug zurück nach Tunis.